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Konzept zur inklusiven Schulentwicklung

1. Vorüberlegungen und Beschreibung der Rahmenbedingungen an der Gemeinschaftsgrundschule Bösensell

Die Gemeinschaftsgrundschule Bösensell entwickelt sich zu einer Grundschule, die sich zum Ziel gesetzt hat, Inklusion umzusetzen.
Inklusion bedeutet, einer größeren Vielfalt an Persönlichkeits- und Leistungsprofilen unter den Schülerinnen und Schülern gerecht werden zu wollen. Gemeinsames und individuelles Lernen für alle soll realisiert werden mit Hilfe von Sonderpädagogen, die sich systemisch für die Unterstützung der Kollegien und Klassen einsetzen. Durch einen schülerzentrierten Unterricht und durch stärkere Differenzierung in Form einer Vielzahl von individuellen Förderangeboten soll dem Ziel näher gekommen werden, individualisierten Unterricht in einer heterogenen Lerngruppen gelingen zu lassen. Die Wertschätzung von Schülerinnen und Schülern als Individuen und die kollegiale Teamarbeit sind dabei eine Grundlage.

Zurzeit besuchen 104 Schülerinnen und Schüler unsere Gemeinschaftsgrundschule in Bösensell, von ihnen haben 19 Schülerinnen und Schüler einen Migrationshintergrund. Unser Lehrerkollegium besteht aus einer Schulleiterin, die seit dem Beginn des Schuljahres 2014/15 die Schulleitung unserer Schule übernommen hat und zehn Klassenlehrerinnen und Fachlehrerinnen. Eine Sonderpädagogin steht unserer Schule stundenweise zur Seite und arbeitet mit den Kolleginnen im Team. Seit dem 1.1.18 unterstützt auch eine Schulsozialarbeiterin unsere Schule. Die zu knappe Ressource zwingt uns Kolleginnen, unsere Aufträge klar und effizient zu formulieren. Fachlehrer, Klassenlehrer, Sonderpädagogin und die sozialpädagogische Fachkraft versuchen als multiprofessionelles Team zusammen zu arbeiten. Es ist sehr erfreulich, dass dies bisher konstruktiv in einer stets freundlichen Arbeitsatmosphäre möglich war. Die Aufgeschlossenheit bezüglich Teamarbeit ist in unserem Kollegium gegeben. So wurden im ersten Halbjahr 2014/15 Lernstandserhebungen gemeinsam erarbeitet, durchgeführt und evaluiert. Darüber hinaus haben Beratungsgespräche stattgefunden zur Abstimmung der notwendigen Erziehungs- und Fördermaßnahmen unter Einbeziehung außerschulischer Partner aus dem sozialen, therapeutischen Bereich. Eine Kollegin hat die Ausbildung zur Beratungslehrerin, eine weitere Kollegin hat an den Fortbildungen für LRS (Lese- Rechtschreibschwäche) teilgenommen. Im Bereich Dyskalkulie lässt sich unsere Schule von der Kreisbeauftragten beraten. Die räumlichen Bedingungen ermöglichen die individuelle Förderung recht gut. Fast jedem Klassentrakt steht ein kleiner Nebenraum zur Verfügung, in dem Kleingruppenförderung möglich ist, sofern die Binnendifferenzierung nicht im Klassenraum umgesetzt wird. Die Toiletten sind bereits behindertengerecht. Die Zusammenarbeit mit der angegliederten OGS ist angebahnt und wird durch gemeinsame Dienstbesprechungen intensiviert. Die Kontakte zum örtlichen Kindergarten werden regelmäßig gepflegt. Die Elternschaft unserer Schule ist engagiert und kann in die inklusive Erziehung eingebunden werden. Die materielle Ausstattung von Lernmaterialien ist gut und bietet die Voraussetzung um verschiedenen Förderbedarfen gerecht zu werden und eine spezialisierte, zieldifferente Förderung zu realisieren.

2. Inklusion - was heißt das für uns
  • Sich in der Schule wohlfühlen, das Recht anders zu sein. 
  • Wir ermöglichen ein Lernumfeld geprägt von Achtung, Verständnis, Vertrauen, Offenheit, Toleranz, Rücksichtnahme und Verantwortungsbewusstsein. 
  • Inklusion heißt, die Gleichwertigkeit und Verschiedenheit der Menschen anzuerkennen. 
  • Wir wollen ein friedvolles Miteinander, in dem Gemeinsames gefunden wird und jeder das sagen kann, was er meint. Inklusion ist eine Schule für alle Kinder, in der jedes Kind seine eigenen Entwicklungsziele verwirklichen kann. 
  • Es ist in Ordnung, Fehler zu machen, auch teilweise richtig bearbeitete Aufgaben finden Anerkennung. Gemeinsames Lernen soll in größtmöglichem Maß realisiert werden. Inklusiver Unterricht erfordert die Kooperation von Lehrkräften, die Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten für Kinder mit erschwerten Lehrnbedingungen planen. 
  • Wir wollen im Unterricht Differenzierungsmöglichkeiten und Lernen mit allen Sinnen anbieten. Inklusion in der Schule ist gemeinsamer Unterricht aller Schüler unabhängig von sekundären Merkmalen, wie z.B. die Art und der Grad der Behinderung. 
  • Inklusion in der Schule heißt, dass alle Kinder und Jugendlichen so angenommen werden, wie sie sind. 
  • Differenziertes und individulisiertes Lernen verlangt eine differenzierte Leistungsbewertung. 
3. Formen der Kooperation von Lehrkräften und unterrichtsintegrierte Förderformen an unserer Grundschule

Der gemeinsame Unterricht an unserer Schule erfolgt zielgleich oder zieldifferent. Werden die Schüler zielgleich unterrichtet, gilt der Lehrplan der Grundschule unter Einbeziehung der Richtlinien des jeweiligen Förderschwerpunktes bei Schülern mit ausgewiesenem Förderbedarf (z.B. Emotionale und soziale Entwicklung, Sprache, Körperliche und motorische Entwicklung).
Zieldifferente Förderung richtet sich nach den Richtlinien der Förderschulen in Verbindung mit den Lehrplänen der Grundschule. Die Ziele der allgemeinen Schule müssen nicht erreicht werden. Der Schwerpunkt liegt auf einer individuellen und ganzheitlichen Förderung der Schüler mit ausgewiesenem Förderbedarf, insbesondere bei den Förderschwerpunkten Lernen und geistige Entwicklung (vgl. Fortbildungsunterlagen Querenburg-Akademie.
Ziele des gemeinsamen Unterrichts sind zum einen eine gemeinsame Prozessdiagnostik und kooperative Beratungsgespräche und die Abstimmung der Erziehungsmaßnahmen mit den Erziehungsberechtigten. Zum anderen umfasst die Heterogenität einer Klasse eine große Bandbreite von der Hochbegabung bis hin zum Förderbedarf Lernen als nur ein Beispiel und erfordert auf unterrichtlicher Ebene vielfältige Überlegungen. Die Querenburg-Akademie nennt konkrete Maßnahmen für den gemeinsamen Unterricht unter anderem auch Varianten der Binnendifferenzierung z.B. Rollendifferenzierung, Themendifferenzierung, Neigungsdifferenzierung, Gruppenpuzzle etc. Des Weiteren rät sie zur Anreicherung eines lehrerzentrierten Unterrichts durch Schülerzentrierung, zum Förderband, zu Förderworkshops, zu Feedback-Systemen und zum Konzept Schüler helfen Schülern (Tutoren).
Im Folgenden werden die an unserer Schule praktizierten Kooperationsformen zwischen Klassenlehrern, Fachlehrern und Lehrkräften sonderpädagogischer Unterstützung dargestellt. Das nachfolgende Zitat soll vorausgeschickt die notwendigen Vorbedingungen für eine gelungene Kooperationsarbeit beschreiben: „Beeinflusst werden die Möglichkeiten der Kooperation neben individuellen Einstellungen, Kompetenzen und Erfahrungen der kooperierenden Lehrkräfte sowie deren persönliche Beziehungen auch durch die organisatorischen und politisch-administrativen Rahmenbedingungen." (Lernende Schule: Themenheft: Auf dem Weg zur inklusiven Schule, Heft 55, 22011, S. 34)
An unserer Gemeinschaftsgrundschule praktizieren wir verschiedene Kooperationsformen der Klassenlehrer, Fachlehrer und Lehrkräfte sonderpädagogischer Unterstützung:

  • Eine Lehrkraft übernimmt die Moderation des Unterrichts, die andere übernimmt gemeinsam abgesprochene Beobachtungsaufgaben („One teach, one observe").
  • Eine Lehrkraft übernimmt die primäre Unterrichtsverantwortung, die andere unterstützt einzelne Schülerinnen und Schüler individuell („One teach, one assist").
    Diese Kooperationsform wird am häufigsten praktiziert
  • Die Lehrkräfte teilen die Klassen in zwei Lerngruppen auf („Parallel teaching")
  • Eine Lehrkraft übernimmt den Unterricht für den größten Teil der Lerngruppe, die andere arbeitet mit einer Kleingruppe auf anderem Niveau und/oder mit anderen Methoden („Alternative teaching").
  • Beiide Lehrkräfte arbeiten in der Planung, Durchführung und Auswertung gleichberechtigt zusammen und ergänzen sich gegenseitig („Team teaching").

4. Förderdiagnostik und Förderplanarbeit im Rahmen von Inklusion

Individuelle Förderpläne dienen im gemeinsamen Unterricht dem Austausch und der gezielten Zusammenarbeit der Lehrerinnen und Lehrer, die Schüler unterrichten, fördern, therapieren oder betreuen mit dem Ziel, die bestmögliche Förderung zu erreichen. An unserer Grundschule haben wir uns auf folgendes Notationsschema geeinigt. „Wenn ein Förderplan zum Arbeitsdokument der täglichen Tätigkeit werden soll, muss er praktikabel in der Handhabung sein ... in der Anwendung übersichtlich und prägnant ... nicht überladen. Dies wird zum einen durch das Qualitätskriterium Begrenztheit und Schwerpunkte setzend und zum anderen durch die eingebrachten Inhalte sichergestellt. ... Förderplanung muss in der Synopse zu Unterricht, Förderung, Diagnostik und Evaluation betrachtet werden." (Popp, Melzer, Medner: Förderpläne entwickeln und umsetzen, München, Basel 2013, S. 30, S. 18)

In unserem Schulprogramm sind grundsätzliche Überlegungen zur konzeptionellen Umsetzung von individueller Förderung dargelegt (S. 16-18). Die Grundlage für die Realisierung von Individualisierung und Differenzierung im Unterricht ist die Erstellung eines Förderplans, der von den Klassen- und Fachlehrern in Zusammenarbeit mit den Sonderpädagogen erstellt wird. Die Förderplanung basiert auf einer Prozessdiagnostik, die an unserer Schule in Form von Lernstandserhebungen und deren Auswertungen durchgeführt wird. Eine entwicklungsorientierte Förderplanung beinhaltet die Ausgangslage, die konkrete Zielsetzung und die konkreten Maßnahmen. Für die Elternarbeit, die für den gemeinsamen Unterricht eine wesentliche Rolle spielt, dient der Förderplan zur Vermittlung von Transparenz aber auch zur Fixierung von Absprachen zwischen Lehrern und Eltern. Für den Übergang zur weiterführenden Schule bei Kindern mit ausgewiesenem Förderbedarf sind Förderpläne unerlässlich, bei Kindern mit erhöhtem Förderbedarf sehr hilfreich. „Die in den Förderplänen festgelegten Maßnahmen finden Umsetzung in Unterricht, Förderung oder Therapie ... Zielstellung sollte dabei nicht sein, dass der Unterricht, die Förderung oder die Therapie völlig umgestellt werden, sondern dass sich die festgelegten Maßnahmen der jeweiligen Situation anpassen." (Popp, Melzer, Methner: Förderpläne entwickeln und umsetzen, München, Basel 2013, S. 20)
Die Übersicht über die verwendeten Lernstandserhebungen befindet sich in unserem Schulprogramm. Unsere Sonderpädagogin hat einen Diagnostik-Ordner zusammengestellt, in dem sich ein Schulreifetest, ein Verstärkerprogramm, eine Indikatorenliste ESE, ein Beobachtungs- und Selbsteinschätzungsbogen, eine Informationsbroschüre zur Kindeswohlgefährdung und diverse Tests zur phonologischen Bewusstheit, zur ADS und zur Dyskalkulie befinden.

5. Aufgabenfelder der sonderpädagogischen Lehrkraft an der Gemeinschafts-grundschule Bösensell

Die Querenburg-Akademie hat im Rahmen ihrer Fortbildungsangebote folgende Tätigkeitsfelder für die im Regelschulkapitel beschäftigten Sonderpädagogen oder Lehrkräfte sonderpädagogischer Unterstützung zusammengestellt.

  • Förderung, Unterricht, Erziehung, Team-Teaching
  • Beratung und Kooperation mit dem gesamten Kollegium
  • Elternberatung
  • Kooperation mit außerschulischen Stellen
  • Erstellen von Förderkonzepten im Sinne einer Prozessdiagnostik
  • Teilnahme an Konferenzen, wenn schulrelevante Entscheidungen zum Bereich der sonderpädagogischen Förderung getroffen werden
  • Es ist dabei zu beachten, dass
    - die dienstlichen Angelegenheiten an der Stammschule Vorrang haben
    - die von der Schulaufsicht festgelegten Förderstunden keine Vertretungsreserve für die allgemeine Schule sind
    - dieses vielfältige Aufgabenspektrum eine flexible Handhabung der zur Verfügung stehenden Förderzeiten erfordert.

6. Die Gemeinschaftsgrundschule Bösensell im Netzwerk mit sozialen, therapeutischen und medizinischen Einrichtungen

Unsere Schule arbeitet kooperativ mit sozialen, therapeutischen und medizinischen Einrichtungen zusammen. In unserem Lehrerzimmer befindet sich ein Ordner, der von unserer Sonderpädagogin zusammengestellt wurde und in dem Anschriften von Beratungsstellen, Ärzten, Therapeuten, Kliniken und Einrichtungen zur Kinder- und Jugendhilfe und zur Elternberatung zu finden sind. Die Zusammenarbeit mit diesen außerschulischen Stellen wird für uns immer wichtiger und bildet eine der zentralen Grundlagen für eine gezielte Förderdiagnostik und für die Durchführung der Präventions- und Interventionsarbeit an unserer Schule. Die Sonderpädagogin ist in der Regel in der Lage, die ärztlichen und therapeutischen Diagnosen für die Kolleginnen zu interpretieren und in die Förderplanung mit einzubeziehen. So können individuelle Rahmenbedingungen innerhalb des Unterrichts gemeinsam geschaffen werden.


7. Die Inhalte des Konzeptes zur inklusiven Schulentwicklung basieren auf folgenden Quellen:
  • Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW: Inklusion: Das Recht, anders zu sein, 11/2013
  • Lernende Schule: Themenheft: Auf dem Weg zur inklusiven Schule, Heft 55/2011
  • Friedrich Jahresheft: Fördern XXXII, Seelze, 2014
  • Unterlagen der Lehrerfortbildung Inklusion, Querenburg Akademie
  • Popp, Melzer, Methner: Förderpläne entwickeln und umsetzen, München, Basel, 2013

Stand 1.6.2017